In stiller Anteilnahme

Paul-Heinrich Stettler
3. April 1922 – 27. März 2016  

Gründungsmitglied (1985), Präsident (1985 – 1992)
und Ehrenpräsident (seit 1992) der DGHT-Stadtgruppe Bern    

 

Ein grosser Macher und Enthusiast, naturverbunden, zielstrebig, ausdauernd, hartnäckig und mit einem Wissens- und Interessengebiet, welches sich über den ganzen Globus erstreckte, hat kurz vor seinem 94. Geburtstag, am Ostersonntag 2016, seine Augen für immer geschlossen.

Als Mitgründer der DGHT-Stadtgruppe Bern verdanken wir Paul-Heinrich Stettler unser Bestehen und verlieren durch seinen Tod nicht nur einen Ehrenpräsidenten sondern auch den Ursprung und einen Teil der Seele dieses Vereins.

Die DGHT-Stadtgruppe Bern wünscht der Trauerfamilie viel Kraft und Zuversicht in dieser schweren Zeit des Abschieds. Paul-Heinrich Stettler gedenken wir als grosse Persönlichkeit und werden auch Zukünftig seine Werte als Grundstein dieses Vereins bewahren.  

 

Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann,
steht nicht auf irgend einem Platz,
sondern im Herzen seiner Mitmenschen.  
Albert Schweitzer

 

(Foto: zur Verfügung gestellt von Markus Grimm)

 

Zu Ehren von Paul-Heinrich Stettler möchten wir ihn an dieser Stelle mit eigenen Worten sprechen lassen. Das untenstehende letzte Interview entstand im Gespräch mit seinem langjährigen Freund und herpetologischen Weggefährten Fritz Jürgen Obst und wurde in der TERRARIA/elaphe - 1/2012 – publiziert.

Paul-Heinrich Stettler
Paul-Heinrich Stettler, Jahrgang 1922, Mitglied der DGHT seit der ersten Stunde, gilt als eines der Urgesteine der modernen Terraristik. In seinem 1987 erschienenen „Handbuch der Terrarienkunde“ beschreibt er den Bau und Betrieb von Terrarien, in denen Amphibien und Reptilien in einer ihrem natürlichen Lebensraum nahekommenden Umwelt erfolgreich gehalten und gezüchtet werden. Diese ganzheitliche – artgerechte – Betrachtung schliesst nicht nur Klima, Futter und adäquate Artenzusammensetzung ein, sondern widmet sich vor allem auch der Terrarienbepflanzung. So ist es nicht verwunderlich, dass DGHT-Ehrenmittglied Paul-Heinrich Stettler stets äusserst ästhetisch anmutende Zimmer- und Freilandterrarien betrieb. Wir sind froh zu hören, dass er und andere sich auch heute noch an einigen dieser Anlagen erfreuen können.  

Das DGHT-Präsidium und die elaphe-Redaktion haben mich als einer Deiner ältesten Freunde beauftragt, mit Dir, lieber Paul–Heinrich, ein Interview zu führen und unserer Gesellschaft davon zu berichten. Man hat ja längere Zeit nichts von dir gehört – wie geht es Dir?
Ja, zum letzten Mal auf einer DGHT-Jahrestagung war ich in Riehen (Lörrach), als Du mich auf dem Basler Bahnhof abgeholt und auch wieder zurückgebracht hast. Wie’s mir geht? – Soweit ganz gut, aber eben das Gehen wird immer mehr zum Problem! Gott sei Dank hilft mir meine Frau Esther seit vielen Jahren ständig, und ab und zu unterstützen mich auch noch Dritte, so das ich glücklicherweise noch mein grosses Freilandterrarium mit diversen Wasserschildkröten wie Emys, Mauremys und Terrapene und mit verschiedenen Landschildkröten aus der Testudo-Sippe betreiben kann. Ausserdem leben dort schöne kapitale Mittelmeer-Erdkröten, die mir viel Freude bereiten. In den Räumen habe ich noch ein biotobgerecht mit madagassischen Sukkulenten bepflanztes Terrarium mit Spinnenschildkröten (Pyxis arachnoides) und zahlreiche Orchideen, u.a. auch von unserer gemeinsamen Venezuela-Reise 1987 stammend. Es blüht also oft schön und lang bei uns! Ja, und Geomyda Spengleri pflege ich auch noch, nicht zu vergessen!  

Paul-Heinrich, Dein Hauptanliegen war es ja ein Leben lang, Tier- und Pflanzenliebhaberei mit Natur- und Artenschutz in sinnvollen Einklang zu bringen, und als Terrarianer hast Du in der Praxis und in Deinen zahlreichen Aufsätzen – und vor allem auch in Deinem Terrarienbuch das biografisch richtig besetzte, ökologisch stimmige Schauterrarium betrieben und propagiert. Siehst Du in dieser Sache Erfolg und Nachfolger, vielleicht sogar in der Schweiz?
Ja, ich bin damit nach wie vor befasst und empfehle jedem Leser und Nutzer meines Terrarienbuches, unbedingt auch das Vorwort zu lesen – dort findet man mein Kredo als Naturfreund, Naturschützer und Terrarianer. Ich bin sehr glücklich darüber, dass hier in unserem Berner Tierpark Dählhölzli mein alter Freund Hans Triet die zum Teil sehr grossen Terrarien alle nach den Gesichtspunkten betreibt, die mir so am Herzen liegen. Unlängst führte mein Schweizer Kollege und Freund Beat Akeret aus Zürich mit seinem exzellenten Terrarienpflanzen-Buch überzeugend und in wunderbarer Weise die Idee der Einheit von Pflanzen und Tieren im naturnahen Terrarium fort. Das hat mich sehr glücklich gemacht!  

Paul-Heinrich, liest Du noch die DGHT-Zeitschriften, angefangen bei SALAMANDRA und elaphe, und was sagst Du zu den sogenannten „Klein“-Zeitschriften, wie amphibia, RADIATA usw., von denen es ja einen ganzen Sack voll gibt?
Ja, ich warte immer sehr gespannt auf die nächste Zeitschriftensendung! Mit der englischsprachigen SALAMANDRA unterhält unsere Gesellschaft ein wichtiges internationales herpetologisches Fachjournal, und es gefällt mir gut, wie dessen Inhalt jetzt in journalistisch einwandfreier Form in der elaphe an jeden Terrarianer vermittelt wird. Die Vielfalt der speziellen Zeitschriften der Tiergruppen-Arbeitsgemeinschaften lässt ein viel spezifischeres und detailreicheres Herangehen an die eigentlichen Fachfragen zu als in einer grossen „Misch“-Zeitschrift. Besondere Freude macht mir stets auch der Sekretär, der über unsere Geschichte und unsere Altvorderen äusserst lesenswert informiert.  

Nun zu guter Letzt: Wie stehst Du zur DGHT, wie beurteilst Du ihren gegenwärtigen Zustand und Weg?
Nun, ich bin mit diesem Verein fast verwachsen wie ein Epiphyt mit seinem Wirtsbaum! 1951 trat ich als erster Schweizer in den alten „Salamander“ ein und habe dann viele meiner Landsleute „nachgezogen“. 1964 gehörte ich zu den Gründungsmitgliedern der neuen DGHT unter Prof. Robert Mertens, mit dem ich freundschaftlich verbunden war. Irgendwann vor langer Zeit wurde ich sogar DGHT-Ehrenmitglied, und ich hoffe, das noch sehr lange geniessen zu dürfen! Nächsten Frühling, am 3. April 2012, will ich ja gerne 90. Jahre alt werden und bin dann sicher zu alt für eine der Jugendgruppen der DGHT, die ich für sehr wichtig für die Zukunft unserer Gesellschaft halte. Natürlich ist die DGHT von heute mit ihren rund 7000 Mitgliedern kaum noch mit dem „Salamander“ von damals zu vergleichen, wo noch jeder jeden kannte. Aber ich hoffe und wünsche es mir von ganzem Herzen, dass die DGHT im Sinne ihrer Gründungsväter, zu denen ich mich ja zählen darf, auch in Zukunft die starke gemeinsame Organisation und geistige „Heimat“ aller deutschsprachigen Terrarianer, Feldherpetologen, amphibien- und reptilienbezogenen Naturschützer und Liebhaber im engen Verbund mit den Fachwissenschaftlern  an Zoos, Museen und Universitäten bleiben wird und dass sie es so schafft, unsere Liebhaberei und unsere Wissenschaft sicher in die Zukunft zu führen.